Der DAX unter 9.500 Punkten – ein Einstiegsszenario?

Billig kaufen, teurer verkaufen. Gemäß diesem einfachen Motto lässt sich das Geschäft für kurzfristige Investoren beschreiben. Das Ziel ist es, bei unterschiedlichen an der Börse gehandelten Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten einen möglichst geringen Einstiegskurs zu finden. Wenn das vorher eingeplante Szenario eintritt, könnte man unter Umständen richtig liegen und anschließend zu einem höheren Ausstiegskurs seine Position schließen. Die Differenz zwischen Einstiegs- und Ausstiegskurs – abzüglich einer Vielzahl von Gebühren – ist letztendlich der Gewinn. Wenn man diesen Weg einschlägt und versucht, auf kurz- bis mittelfristige Sicht mit unterschiedlichen Positionen Geld zu verdienen, dann ist es sehr wichtig, dass man möglichst gute Einstiegskurse findet. Wenn man beispielsweise bei den großen Indizes anfangen würde, wäre es auf lange Sicht weniger wichtig, wann der Einstieg war. Langfristig ist es wahrscheinlich, dass die Kurse in 5, 10, 15 oder gar 20 Jahren höher sind als heute. Wenn man jedoch bereits in ein paar Wochen, Monaten oder einem Jahr verkaufen möchte, kann es durchaus vorkommen, dass der Einstiegspunkt eine höhere Relevanz erfährt. Aus diesem Grund stellt sich nach dem freien Fall der letzten Wochen die Frage ob, beispielsweise beim DAX, der Einstieg aktuell lohnenswert wäre. Innerhalb von wenigen Wochen ist der DAX mehr als 5% gefallen und ist dementsprechend in einer sogenannten Korrektur. Eine Korrektur kann letztendlich zu zwei Dingen führen. Entweder ist es nur ein Verschnaufer für neue, höhere Kurse oder der Vorbote für den sogenannten „Bear market“, welcher durch einen Kursverlust von über 20% seit dem letzten Hoch beschrieben wird.

Beim DAX lässt sich dies nicht so einfach sagen. In den letzten Wochen gab es viele negative Schlagzeilen für die Eurozone. Die Inflation ist weiterhin gering, die Wirtschaftsdaten aus Deutschland sind zunehmend schlechter und Frankreich wird immer mehr zum Sorgenkind der Eurozone. Darüber hinaus marschiert die IS weiterhin und die Ukrainekrise ist zwar aktuell nicht das größte Thema, aber noch immer nicht gelöst. Dementsprechend gab es viele Gründe für fallende Kurse. Gleichzeitig steht jedoch die Quartalssaison vor der Tür. Gute Quartalszahlen könnten für Investoren bedeuten, dass die aktuell gefallenen Kurse als Einstiegschance genutzt werden könnten. Schlechte Zahlen hingegen wären ein Katalysator für weiter fallende Kurse. Gleichzeitig ist die geopolitische Stimmung weiterhin wichtig. Sollte die Lage bei den Protesten in Hong Kong eskalieren, könnte dies die globalen Märkte nach unten ziehen. In Anbetracht der potentiell guten Quartalszahlen von DAX-Unternehmen könnte sich der Einstieg bei aktuellem Level unter 9.500 Punkten lohnen. Sollten die Quartalszahlen überzeugen wäre ein Anstieg bis Jahresende durchaus denkbar. Somit könnten die aktuellen Kurse Chancen bieten für kurzfristige Handelsmöglichkeiten. Dies ist keine Investmentempfehlung sondern repräsentiert lediglich die Meinung des Autors.

 

DAX verliert über 1,5% nach schlechten Wirtschaftsdaten

Der DAX hat am 23.09.2014 über 1,5% verloren. Seit Eröffnung des Handels um 9:00 war es beinahe nur eine Talfahrt. Schlechte Wirtschaftsdaten aus der Eurozone haben dafür gesorgt, dass der DAX nach und nach immer mehr Punkte verloren hat. Als die US-Börsen eröffnet haben, ging es kurzfristig ein wenig nach oben. Jedoch haben die US-Börsen auch ins Minus gedreht und den DAX weiter nach unten gezogen. Dementsprechend standen am Ende des Tages über 1,5% Verlust für den DAX. Dabei hat der DAX unter 9600 Punkten geschlossen. Neben den schlechten Wirtschaftsdaten aus der Eurozone gibt es weitere Gründe, die dafür sorgen könnten, dass die Börsen angespannt bleiben. Die Probleme in der Ukraine sind bisher weiterhin ungelöst. Zwar gibt es eine Waffenruhe, aber diese Waffenruhe ist trügerisch, wenn die Berichte stimmen, dass Russland Truppen auf der Krim zusammenziehen lässt. Gleichzeitig eskaliert die Lage mit der IS weiter. Tausende Menschen sind in den letzten Tagen über die türkische Grenze vor der IS geflohen. Laut Medienberichten hat die IS nun ein Territorium unter ihrer Kontrolle, welches der Größe von Großbritannien entspricht. Dies ist eine mehr als erschreckende Entwicklung. Aus diesem Grund haben es die USA auch als Pflicht empfunden, den Kampf gegen die IS aufzunehmen. Es wurden Luftangriffe gegen die IS geflogen. Dabei waren die USA nicht alleine. Mehrere Golfstaaten haben sich diesem Unterfangen angeschlossen. Dies signalisiert, dass es die anliegenden Staaten in der entsprechenden Region als eine wahre Bedrohung ansehen. Wenn man sich einmal anschaut, welche Staaten dort Seite an Seite mit den USA Luftangriffe fliegen, ist es erstaunlich, wie schnell ein noch schlimmerer Feind potentielle Feinde bzw. nicht gerade gute Freunde zusammenschweißen kann. Dabei ist die IS längst nicht die einzige Bedrohung. Im selben Territorium erhebt sich auch eine weitere Terrorgruppe, welche Vergeltung für die Aktionen der westlichen Länder und vor allem der USA geschworen hat. Die Terrorgefahr scheint in mehreren Ländern zu steigen. Immer mehr Medienberichte zeigen, dass es angeblich vereitelte Terroranschläge gab. Dies sind alles Dinge, die nicht gerade förderlich für die Börse sind und dafür sorgen könnten, dass die großen Indizes weltweit weiter abgeben könnten. Heute, am 24.09.2014 steht um 10:00 Uhr der ifo Geschäftsklimaindex für September an. Dieser könnte weitere Impulse für den DAX liefern. Sollte dieser überraschenderweise besser ausfallen als erwartet, könnte dies dazu führen, dass der DAX einen guten Teil seiner gestrigen Verluste aufholt. Letztendlich wird der Markt entscheiden, wie es vorangeht. Trotzdem sollte man als Investor bereit sein, kurzfristig zu reagieren sollten größere Bewegungen vorkommen. Sonst steht man am Ende unter Umständen im Sumpf der Verluste.

 

Sind große IPOs ein Anzeichen für Markthöhepunkte?

Finanzmärkte sind schnell und Sekunden können über Reichtum für den einen und Verluste für den anderen entscheiden. In diesen Märkten ist es immer sinnvoll, wenn man sich die Frage stellt, warum gewisse Dinge passieren. Nicht alles lässt sich erklären und man liegt bestimmt nicht immer richtig. Doch eine Sache, die auffällt, ist, dass sich gewisse Situationen im Laufe der Jahre wiederholen bzw. es den Anschein hat, als ob gewisse Umstände dafür sorgen, dass einige Verhaltensmuster auf den Finanzmärkten immer wieder auftauchen. Eins dieser Phänomene ist das Timing von IPOs. IPO steht für Initial Public Offering. Das bedeutet, dass ein Unternehmen zum ersten Mal einen gewissen Anteil an ihrem Unternehmen an die Börse bringt und so eine größere Investorenbasis anspricht. Im Rahmen dieses Vorgangs stellen sich den betroffenen Parteien natürlich sehr viele Fragen. Immerhin geht es bei größerer IPOs schnell um mehrere Millionen wenn nicht gar Milliarden. Aus diesem Grund ist eine der wichtigsten Fragen neben dem richtigen „Preis“ für die IPO das Timing. Aus Sicht der Inhaber der Firma ist der Wunsch nachvollziehbar, möglichst hohe Erlöse zu erzielen. Diese Erlöse erzielen sie, indem zum einen ein möglichst hoher Preis pro Aktie gefordert werden kann sowie entsprechende Nachfrage nach den Aktien. Einigen wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass Manager der Unternehmen eine gewisse Timingfähigkeit besitzen. Das bedeutet wiederum, dass in vielen Fällen versucht wird, den Börsengang in einem Marktumfeld zu vollziehen, in dem es hohe Bewertungen herrscht, sprich man möglichst viel pro Aktie bekommt, sowie hohe Nachfrage besteht. Diese Marktphasen sind jedoch unter Umständen Zeiten, in denen sich die Börsen vorerst den Höchstkursen nähern. Wenn man sich also in diesen Zeiten für Aktien interessiert, die gerade ihre IPO durchführen möchten, sollte man sich immer die Frage stellen, ob dies ein guter Zeitpunkt aus Sicht des eigenen Geldbeutels ist. Ein Beispiel dafür ist Facebook. Bei Facebook gab es einen riesigen Hype und die Nachfrage zu einem hohen Preis war zu Beginn hoch. Anschließend verlor die Aktie zeitweise jedoch über 40% und man hätte viel Geld sparen können, wenn man später investiert hätte. Oft verkaufen Privatinvestoren schneller, wenn Kurse fallen. Und so hat man mit Verlust verkauft. Hätte man bis heute gehalten, hätte man jedoch einen stattlichen Kursanstieg von über 50% zum IPO Preis verzeichnen können. Jedoch haben viele Privatinvestoren erst teuer gekauft und anschließend billiger verkauft und sind auf den Verlusten sitzen geblieben. Facebook hat aus Unternehmenssicht die Situation damals wunderbar gehandelt aber aus Sicht der Investoren war dies zu Beginn keine schöne Erfahrung. Somit sollte man immer mit Vorsicht eine IPO genießen. Es könnte durchaus angehen, dass die Timingfähigkeit der Manager zum Nachteil des privaten Investors ausfällt.

 

Infrastrukturinvestments

Den meisten Anlegern ist es bewusst, dass Immobilien eine Anlageklasse ist, die für viele Investoren interessant ist. Der Grund hierfür ist, dass die Erträge relativ unabhängig von der Aktienentwicklung sind, sondern auch in schwachen Marktphasen tendenziell weiter fließen und damit gut langfristig planbar sind. Eine hiermit verwandte Asset-Klasse ist Infrastruktur, auch wenn es sich bildlich gesprochen um einen eher entfernten Verwandten handelt. Die Idee, dass nicht nur der Staat, sondern auch private Investoren in Infrastruktur investieren können, ist noch relativ neu. In der Vergangenheit wurde von den Ökonomen die Finanzierung und Bereitstellung von Infrastruktur vor allem als staatliche Aufgabe wahrgenommen Grund für diese Sichtweise ist, dass es sich bei Infrastruktur klassischerweise um sehr langfristig ausgelegte Projekte handelt, die teilweise sogar die Lebensspanne und damit den Interessensbereich einzelner Individuen übersteigen können.

Die Arten von Infrastruktur

Was gehört nun zu Infrastruktur? Die erste Idee, die nahezu jeder damit verbinden wird, sind Straßen, sprich die Autobahn. Zur sog. Transportinfrastruktur gehören zudem noch Brücken und Tunnel. Doch daneben gibt es noch weitere Felder, die ebenfalls zur Infrastruktur gerechnet werden. Hierzu zählen etwa Bildungseinrichtungen wie Schulen und medizinische Einrichtungen, beispielsweise Krankenhäuser. Weiterhin gehört Versorgungsinfrastruktur wie die Kanalisation und Stromnetze dazu. Man sieht schon, Infrastrukturprojekte sind sehr heterogen. Doch viele dieser Projekte haben es gemein, dass sie über lange Zeithorizonte ausgelegt sind, so dass nur die wenigsten Kleinanleger direkt in den Bau von Straßen investieren werden. Das niedrige Zinsniveau, über das wir bereits wiederholt berichtet haben, macht jedoch alternative Anlagen für institutionelle Investoren interessant. Hinzu kommt, dass gerade die westlichen Staaten über sehr enge Finanzspielräume verfügen und somit gar nicht die Möglichkeit haben, notwendige Investments in Infrastruktur vorzunehmen. Diese Lücke können folglich institutionalisierte Investoren auf der Suche nach renditeträchtigeren Alternativen schließen.

Vorteile und Möglichkeiten

Die Vorteile von Infrastrukturinvestments liegen darin begründet, dass sie wie eingangs schon beschrieben sehr langfristig ausgelegt sind und dabei auch über sehr lange Zeiträume oftmals gut planbare Erträge generieren. Außerdem sind diese Erträge mit denen anderer Assets wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe nicht eng korreliert, so dass sich Diversifikationspotential ergibt. Insbesondere für Lebensversicherungen, die über sehr langfristige Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden verfügen, sind solche langfristig planbaren Anlagen demnach interessant. Doch auch für Privatanleger gibt es grundsätzlich die Möglichkeit, von diesem Trend zu profitieren. In der Regel wird dies über verschiedene Fondslösungen umsetzbar sein. Dabei gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze: Entweder direkte Infrastrukturinvestments, das heißt, der Fonds investiert direkt in Infrastrukturprojekte, etwa den Bau oder Betrieb von Straßen. Unterschieden werden kann hier zwischen Neuinvestments „auf der grünen Wiese“, welche traditionell riskanter sind, da zusätzliche Risiken, etwa das Konstruktionsrisiko hinzu kommen, und lediglich dem Betrieb bereits fertiggestellter Projekte. Die zweite Möglichkeit besteht darin, einen Aktienfonds zu erwerben, der ausschließlich in Unternehmen investiert, die mit dem Bau bzw. Betrieb von Infrastruktur zu tun haben. Bei solchen Anlagen muss natürlich klar sein, dass es sich um Aktien handelt, die dem allgemeinen Marktrisiko unterworfen sind – eine Tatsache, die die Unkorreliertheit zu anderen Asset-Klassen, die gerade einen der Vorteile von Infrastrukturinvestments darstellt, konterkariert.

Sinnvoll oder nicht für Privatanleger?

Gerade Privatanleger sollten sich solche Nischeninvestments jenseits des Mainstreams gut überlegen, denn die Risiken können beträchtlich sein, vor allem bei Fonds, die direkt in Infrastruktur investieren und nicht den Umweg über die Unternehmensaktien gehen. Einerseits sind die Fonds sehr unterschiedlich in ihren Zielinvestments und ihrer Strategie: Erwerben sie bereits fertiggestellte Objekte und betreiben sie dann oder aber bauen sie tatsächlich in eigener Regie komplett neu? In beiden Fällen gehen damit jeweils vollkommen unterschiedliche Risiken einher, über die sich der Anleger im Klaren sein muss, bevor er den Schritt geht und Geld investiert. Gleichzeitig sollten nur sehr kleine Teile des Vermögens in Infrastruktur angelegt werden, da die Risiken sehr hoch sein können – gerade übrigens dann, wenn man selbst kein ausgewiesener Fachmann ist. Das genaue Studium aller Unterlagen des Investments, mindestens aber des Basisprospektes sind unabdinglich. Besser ist es, sich im Falle eines Falles Expertise hinzu zu ziehen. Für diejenigen, deren Vermögen nicht so groß ist, dass dies lohnt, stellt sich di9e Frage, ob derartige Investments nicht besser den Profis überlassen werden sollten und sich selbst stattdessen auf die klassischen Anlagen zu konzentrieren. Möglicherweise reduziert dies die Renditeerwartungen, aber es spart viel Arbeit bei der Investment-Auswahl und verhindert unter Umständen hohe Verluste.

Draghi öffnet alle geldpolitischen Schotten

Am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgte deren Präsident Draghi für eine faustdicke Überraschung bei den Marktakteuren. Zunächst kündigte er an, dass die EZB den Leitzins von derzeit 0,15% um weitere 10 Basispunkte auf jetzt nur noch 0,05% absenken werde. Damit ist die klassische bzw. konventionelle Geldpolitik an der Grenze dessen angelangt, was sie leisten kann. Unter die 0%-Grenze geht es nicht, weil Privatkunden in einem solchen Fall ihr Geld von den Banken abziehen würden, um es zu Hause zu bunkern, dort erwirtschaftet man schließlich immerhin einen Nullzins. Da eine solche Politik jedoch die Banken reihenweise zusammenbrechen lassen würde, ist ein solcher Schritt praktisch ausgeschlossen. Banken allerdings, die ihre Einlagen bei der EZB lagern, müssen sogar einen negativen Zins zahlen: Der Einlagenzins beträgt -0,2%, es handelt sich also um einen Strafzins, der Banken animieren soll, statt das Geld einzulagern, dieses als Kredite zu vergeben.

Die große Überraschung auf der Pressekonferenz war jedoch nicht die Zinssenkung, sondern das, was Draghi noch ankündigte. Nachdem er bereits zuvor angekündigt hatte, die Eurozone zu retten was auch immer dafür erforderlich sei („whatever it takes“), wurde nun erklärt, dass die EZB anfangen werde, Kreditverbriefungen zu kaufen, sogenannte Asset-Backed Securities (ABS). Diesen Schritt ist die amerikanische Notenbank, die Fed, bereits vor Jahren gegangen. Mittlerweile zieht sie sich aus diesem Kaufprogramm schon wieder zurück („Tapering“). In welchem Umfang die EZB aktiv werden will, ist noch nicht bekannt. Gerüchte besagen, dass das Volumen 500 Mrd. Euro betragen werde. Andere Quellen gehen von einer oder sogar zwei Billionen Euro aus. Dies würde bedeuten, dass die EZB ihre Bilanzsumme verdoppelt.

Brisant ist die Tatsache, dass innerhalb der EZB weder das notwendige Know-How zur Verfügung steht, noch entsprechende Kapazitäten zur Durchführung des Kaufprogramms bestehen. Vor diesem Hintergrund wurde bereits für die Planung des Programmes auf die Beratungsdienste des US-amerikanischen Vermögensverwalters BlackRock zurückgegriffen. Denkbar wäre auch, dass der Finanzkonzern letztlich auch mit der Durchführung des Programmes betreut wird, was allerdings mit Sicherheit herbe Kritik nach sich ziehen würde. Hintergrund hiervon ist, dass es sich bei BlackRock schon jetzt um den größten Finanzkonzern der Welt handelt, der vielen Branchenkennern schon als zu mächtig gilt. Außerdem besteht die Gefahr, dass es zu Interessenskonflikten mit anderen Unternehmensbereichen kommt, wenn BlackRock tatsächlich die Papiere erwerben soll. Zwar sollen für die Papiere gewisse Mindeststandards gelten, damit die EZB nicht nur Ramsch in ihre Bilanz holt, doch wird sie es sich nicht leisten können allzu wählerisch zu sein. Der Markt für ABS-Papiere ist in Europa bei weitem nicht so groß wie in den USA: Will die EZB daher Käufe in der kolportierten Größenordnung durchführen, muss sie auch qualitativ niedrigere Papiere erwerben, weil es schlicht nicht genug hochwertige gibt.

Der unsteriliserte Ankauf von Wertpapieren, das heißt die in den Markt injizierte Liquidität wird nicht an anderer Stelle wieder abgeschöpft, wird von Volkswirten als Quantitative Lockerung („Quantitative Easing“, QE) bezeichnet. Zwar vermeidet die EZB diese Begrifflichkeit und spricht lieber von Credit Easing, doch handelt es sich im Prinzip um nichts anderes. Gerade in der deutsche Öffentlichkeit ist QE nicht wohl gelitten, bedeutet es schließlich nichts anderes als die Rotation der Notenpresse auf Hochtouren. Angelsächsische Analysten und Volkswirte bejubeln die von der EZB angekündigten Maßnahmen, während die traditionell eher stabilitätsorientierten deutschen Wirtschaftswissenschaftler fassungslos sind. Der Chef des Münchener ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, kritisierte bereits, dass die EZB damit ihr Mandat überschreite, weil die Übernahme von Risiken aus der Privatwirtschaft in dieser Form eine fiskalische, nicht aber eine geldpolitische Maßnahme darstelle. Auch Draghi selbst machte deutlich, dass die Entscheidung im EZB-Rat nicht einstimmig gefallen war. Damit dürfte klar sein, dass der Chef der  Bundesbank, Jens Weidmann, wieder einmal gegen die weitere Lockerung der Geldpolitik votiert haben dürfte – und überstimmt wurde.

Manche Volkswirte sehen die Gefahr, dass der Kauf von ABS-Papieren erst der Auftakt zu noch größeren Kaufprogrammen durch die EZB darstellt. So wäre es denkbar, dass die Notenbank ihr Programm auch auf Staatsanleihen ausweitet und dann beginnt, die Eurostaaten direkt über die Druckerpresse zu finanzieren – etwas, das ihr nach den EZB-Verträgen eigentlich verboten ist. Andererseits wurde im Zuge der sog. Eurorettung bereits so viel recht gebrochen, dass das sicherlich auch keine allzu große Hemmschwelle mehr darstellen dürfte. Die Folgen der Niedrigzinspolitik sehen wir bereits heute am deutschen Immobilienmarkt. Schon seit Jahren befinden sich die Preise der Objekte hierzulande in einem steilen Aufwärtstrend. Mit der weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen dürfte sich dieser Trend weiter beschleunigen – irgendwo muss das Geld schließlich hin. Für Anleger bedeutet diese strikte Inflationierungspolitik, dass Sachwerte eine wichtige Position des Portfolios darstellen sollte. Anders als Geldwerte wie Anleihen verfügen Sachwerte, das sind beispielsweise Immobilien, Rohstoffe oder Aktien, über einen gewissen Inflationsschutz.