Wohin könnte die Reise für Öl gehen?

Rohöl, das Schwarze Gold, galt in der Börsenwelt schon immer als ein wichtiger Bestandteil. Wenn es der Weltwirtschaft gut ging, ist der Konsum von Rohöl meist gestiegen. Bei gleichbleibendem Angebot sind dementsprechend die Preise angestiegen und durch diese einfache Idee konnte man mit dem richtigen Timing viel Geld verdienen. Wenn man sich jedoch die Entwicklung der Ölpreise von WTI Crude Oil oder Brent Crude Oil in den letzten Monaten anschaut, wird man feststellen, dass beide Ölsorten über 20% an Wert innerhalb von ca. 3-4 Monaten verloren haben. Wenn wir eigentlich davon ausgingen, dass die Finanzkrise ein Ende gefunden hat und die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt, stellt sich die Frage, warum sich der Ölpreis in die vermeintlich entgegengesetzte Richtung entwickelt hat. Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick auf die Grundlage der Preisfindung legen: Angebot und Nachfragen. In den letzten Jahren haben vor allem die USA damit begonnen mit Hilfe von Fracking massive Mengen an Öl herzustellen. Eine Art neuer Öl Boom ist in den USA ausgebrochen, so dass die USA Öl exportieren könnten. Statt ehemals einer der größeren Importeure zu sein, sind die USA auf einmal selbst Exporteur. Die nicht mehr vorhandene Nachfrage aufgrund des Überangebots bzw. der Produktion sorgen dafür, dass die Preise fallen. Gleichzeitig hat die OPEC aktuell keinen Konsens bezüglich ihres Vorgehens mit Öl. Die OPEC hat in der Vergangenheit bei fallenden Ölpreisen mehrheitlich dafür gestimmt, dass die Ölförderungsmengen bzw. das Angebot an Öl reduziert wird, damit die Preise steigen. In Anbetracht des Angebots der USA würde dies jedoch der OPEC nicht viel nützen. Einige Staaten sind für eine Verknappung, um den Ölpreis zu treiben, andere sind dagegen. Diese Uneinigkeit sorgt dafür, dass aktuell auf Basis von Angebot und Nachfrage eher das Angebot überhandnimmt und dadurch die Preise fallen. Dies scheint erst einmal einleuchtend, wenn man diese grundlegenden Hintergrundinformationen verarbeitet.

Es gibt jedoch noch eine andere Seite dieser Geschichte. Das Fracking wurde vor allem umgesetzt, da der Ölpreis gestiegen ist. Fracking ist oft sehr teuer und aufwendig. Dadurch lohnt sich dieses teurere Fördern von Öl erst ab einem gewissen Ölpreis. Laut unterschiedlichen Studien könnte der fallende Ölpreis dafür sorgen, dass einige Projekte oder gar eine Mehrheit der Projekte, die aktuell in den USA durchgeführt bzw. geplant sind, nicht rentabel sind. Unter diesem Umstand würde die Produktion eingestellt bzw. manche Projekte gar nicht erst umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist es klar, dass die ertragsreichsten, günstigsten Projekte zuerst durchgeführt wurden. Doch die neuen sind meist aufwendiger. Aufgrund dieser Konstellation ist es durchaus denkbar, dass auf einen Horizont von mehreren Jahren der aktuelle Öl-Segen der USA sich wieder umkehrt. Projekte werden aufgrund des günstigen Ölpreises unrentabel, die Förderung geht zurück, bei gleichbleibender oder gar steigender Nachfrage sollten sich die Preise nach oben anpassen. Dementsprechend könnte die aktuelle Situation unter Umständen eine Einstiegsmöglichkeit bieten. Auf sehr lange Sicht gesehen ist es nachvollziehbar, dass Öl, sofern wir es auch in der Zukunft benötigen, nur teurer werden kann. Öl ist ein endlicher Rohstoff und wenn der Bestand immer weiter sinkt und die Nachfrage nicht im gleichen Maße sinkt, steigen die Preise bei gleichbleibender Geldmenge. Somit könnte man es auf die eine oder andere Sicht sehen. Aktuell könnte es durchaus sein, dass die Konsumenten aufgrund des günstigen Ölpreises noch einige Jahre profitieren werden. Mittel- bis langfristig könnte es aufgrund der Argumente durchaus angehen, dass die Preise erneut steigen und wir wieder mehr zahlen müssten. Aus Anlegersicht wäre dementsprechend mittel- bis langfristig ein Einstieg bei dem aktuellen Ölpreis durchaus eine attraktive Möglichkeit. Sicherlich sollte man dies genau überdenken, aber im historischen Vergleich der letzten Jahre scheint der aktuelle Ölpreis wie ein Geschenk für Rohstoffinvestoren zu sein.