Kommt es zu Anleihekäufen durch die EZB?

Wir leben innerhalb der Eurozone in einer Zeit in der es durchaus sein kann, dass wir uns einer deflationären Phase nähern. Die letzten Veröffentlichungen bezüglich der Inflation haben überrascht. Leider haben sie zum Negativen überrascht. Die Inflation scheint, trotz bisheriger Maßnahmen der EZB, nicht in Gange zu kommen. Aus diesem Grund sind immer mehr Marktteilnehmer unruhig. Bei der Veröffentlichung des letzten EZB Ratssitzungsergebnisses hat Mario Draghi, Präsident der EZB, mit Kommentaren begonnen, dass der aktuelle Wechselkurs des Euro ein Grund dafür ist, dass die Inflation nicht in Gange kommt. Wenn ein Wechselkurs relativ stärker als ihr Gegenpart ist dann ist es schwerer zu exportieren und verlockender zu importieren. Dadurch kann es dazu kommen, dass die Inflation nicht in Gang kommt. Um diesem Problem entgegenzuwirken waren die Stimmen bereits lauter geworden, dass die EZB handeln muss. Bei der letzten Sitzung gab es Bemerkungen, dass es durchaus sein kann, dass die EZB zum kommenden Termin im Juni aktiv wird. Diese Aussage hat dazu geführt, dass beinahe alle Analysten in einer Umfrage von Bloomberg erwarten, dass die EZB zum kommenden Termin auch wirklich aktiv wird. Dabei stellt sich die Frage welche Möglichkeiten der EZB bleiben um die Inflation anzukurbeln. Eine Möglichkeit wären den Leitzins zu senken. Aktuell liegt der Leitzins bei 0,25%. Dies ist ein historisches Tief. Ein geringer Leitzins kann dazu führen, dass sich die Banken mehr Geld leihen. Dieses Geld kann unter Umständen entweder in den Kapitalmärkten versickern oder in der Realwirtschaft in Form von Krediten ankommen. Letzteres würde die Inflation wahrscheinlich stärker ankurbeln und für mehr Aufschwung sorgen. Trotzdem wäre die Senkung des Leitzinses eher eine symbolische Maßnahme. Der Effekt ist wahrscheinlich vergleichsweise gering. Eine Alternative wäre den Einlagenzins zu senken oder gar negativ zu setzen. Der Einlagezins ermöglicht es aktuell Banken Geld bei der EZB zu parken und dafür Geld zu bekommen. Zwar sind diese Zinsen gering aber wenn man genügende Mengen an Geld lagert kann man dadurch auch Profite generieren. Sollte die EZB den Einlagezins negativ werden lassen dann ist es durchaus möglich, dass die Banken kein Interesse haben ihr Geld bei der EZB zu parken. Stattdessen könnte dies die Vergabe von Kredite anregen.

Die dritte und wahrscheinlich stärkste Form wäre das sogenannte Quantitative Easing. Bei Quantitative Easing kauft eine Zentralbank Wertpapiere direkt an. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Staatsanleihen. Jedoch sich Unternehmensanleihen sowie Asset-Backet Securities nicht ausgeschlossen. Durch diese Maßnahmen könnte die EZB direkt Geld in die Wirtschaft schleusen. Dies könnte durchaus die Inflation ankurbeln und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Kapitalmärkte vor Freude einen kleinen Sprung machen. Es stellt sich jedoch die Frage ob dies effektiv wäre. Die Eurozone ist generell weniger kapitalmarktorientiert. Dadurch könnte der Effekt dieser Maßnahmen geringer ausfallen bzw. dafür sorgen, dass sich gar nichts ändert. Eventuell kommt der Effekt gar nicht an der Realwirtschaft an, sondern versickert in den Börsen. Dies ist sicherlich ein Risiko. Letztendlich wäre dies trotzdem ein sehr starkes Instrument um den Kampf um steigen Inflation aufzunehmen.